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Gemeinsame Notiz |
Lebenswerk und Ahnen des Unternehmers Otto Kreibaum von Ludwig Schwabe Das Jahr 1977 bringt für den Fabrikanten und Unternehmer Otto Kreibaum zwei besondere Höhepunkte: die Vollendung des 75 . Lebensjahres und den Tag des 50jährigen Bestehens seines Lebenswerkes, nämlich der Entwicklung und Fertigung der OKAL -Fertighäuser, die heute weit über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hinaus ein Begriff sind. Der Jubilar ist das Beispiel eines Selfmademans und Unternehmers in besonderem Sinne. Er entstammt einer Familie von Sattlermeistern in der VI. Generation, hat selbst in seiner Jugend noc h dieses Handwerk erlernt und ist erst danach zum Tischlerhandwerk übergegangen und wurde Tischlermeister. Ein Mann ohn e Abitur und Studium hat es nicht nur fertiggebracht, sein Können in seinem Berufe in großzügigster Weise einzusetzen , sondern hat darüber hinaus - oft in durchwachten Nächten - Erfindungen gemacht auf allen möglichen Gebieten, für die die Lizenzen in alle Welt ginge n, besonders in die USA. Diese Lizenzen brachten ihm das nötige Kapital ein, das er für den Auf- und Ausbau seines Werkes benötigte. Im Jahre 1927 richtete er in Lauenstein im Kreise Hameln-Pyrmont eine Möbeltischlerei ein. Er erweiterte sie ständig, mußte dann allerdings Anfang der dreißiger Jahre einen schweren Rückschlag hinnehmen, als sein Betrieb in Flammen aufging. Es kam ihm damals zugute, daß die Regierung ab 1933 zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Mittel bereitstellte, so daß er seine Werkstätten größer und moderner denn zuvor wieder aufbauen konnte. Das Werk wuchs danach weiterhin als ein kerngesundes Unternehmen. Nach dem Krieg wurde der Betrieb ständig erweitert, denn es bestand ein groáer Bedarf an Möbeln, weil viele Familien, Einheimische und Heimatvertriebene, sich nach dem Verlust ihrer Habe neu einrichten mußten. Kreibaum erkannte aber sehr bald, daß die "Möbelwelle" nicht ewig dauern würde und stellte seinen Betrieb auf die Herstellung von Fertighäusern um, deren Type er sorgsam ersonnen hatte. Seine OKAL-Häuser wurden bald führend in der Branche, zumal ständig an ihrer Weiterentwicklung gearbeitet wurde. Diese Fertighäuser, zunächst sehr schlicht, dann aber auch komfortabler, hatten vor allem den großen Vorteil, daß die Bauinteressenten schnell zu ihrem Haus kamen und ihnen umständliche Verhandlungen, lange Wartezeiten und viel Ärger erspart wurden. Da die Nachfrage nach den OKAL-Häusern ständig wuchs, wurden in den nächsten Jahren Zweigwerke in Berlin, in Wahlstedt in Schleswig-Holstein, in Büdingen in Oberhessen, in Titisee im Schwarzwald, in Elsendorf in Niederbayern, in Petersbach in Frankreich und in Brixen in Südtirol errichtet. Dadurch wurden Wege erspart und den Interessenten die Besichtigung der Modellhäuser erleichtert. Im Laufe der Zeit kamen dazu noch über 30 Vertriebsstellen im In- und Ausland. Bald nach der Gründung des Zweigwerkes im Schwarzwald bot sich für Kreibaum die Gelegenheit, das Gelände des stillgelegten Braunkohlenwerks Humboldt in Thüste zu erwerben, um dort Fertigteile für Kellerfundamente herzustellen. Man ging aber bald wieder davon ab, weil der Transport zu teuer war. Auch ein neues Modell wurde nicht in die Produktion aufgenommen. Heute entstehen dort ebenfalls Einzelteile für Fertighäuser. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich auch hier ein Betrieb, der an die 300 Menschen beschäftigt, nachdem zuvor die Stillegung der Gewerkschaft Humboldt die anliegenden Gemeinden hart getroffen hatte. Daß dieses Zweigwerk in der Gemeinde Thüste entstand, also in der Heimat des mütterlichen Großvaters, mag von besonderem Interesse sein. Beim Studium der Ahnentafel Kreibaum fällt darüber hinaus auf, daß fast alle Vorfahren in einem verhältnismaßig kleinen Raume beheimatet sind, vornehmlich im Kreise Hameln-Pyrmont sowie in den Randgebieten des Kreises Holzminden bzw. der früheren Kreise Springe und Gronau einschließlich der Stadt Gronau, dem Stammort der Familie Kreibaum. Von wenigen Ausnahmen abgesehen waren fast alle Vorfahren Bauern und Handwerker, erst von der VII. Generation an sind einige Pastoren darunter. Die Ahnentafel zeigt damit eine beachtenswerte soziologische Geschlossenheit und ist ein Musterbeispiel niedersächsischer, bäuerlich-handwerklicher Berufs- und Heimattreue. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Wirtschaft des Landes Niedersachsens wurde Otto Kreibaum an seinem Geburtstage auch mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens ausgezeichnet. Als Quellen wurden benutzt: Die Kirchenbücher der erwähnten Gemeinden. M. Burchard u. H. Mundhenke: Die Kopfsteuerbeschreibung der Fürstentümer Calenberg-Göttingen und Grubenhagen von 1689 (einschl. 1664), 13 Bde, 1941-1972. M. Burchard: Die Bevölkerung des Fürstentums Calenberg-Göttingen gegen Ende des 16. Jahrhunderts, Leipzig 1935. H. Berner: Alte Bauernhöfe im Amt Grohnde, Heft 1: Hajen. Ph. Meyer: Die Pastoren der Landeskirchen Hannovers und Schaumburg-Lippes seit der Reformation, 3 Bde, 1941, 1942 und 1953. Das Hausbuch des Amtes Lauenstein von 1593. Die Kirchen- und Kapellenrechnungen der Kirchengemeinde Wallensen. Wikipedia: Otto Kreibaum Otto Kreibaum senior (* 24. Januar 1902 in Bisperode; + 18. November 1985 in Lauenstein) war ein Unternehmer. Der ältere Bruder von Friedrich Kreibaum pachtete 1928 eine Möbeltischlerei in Lauenstein. Mit zwei Mitarbeitern und ei nem Lehrling begann er die Produktion von Kleinmöbeln. Ein Wasserrad mit einer Leistung von zehn PS war das einzige Hil fsmittel. Kurz nach der Wirtschaftskrise entdeckte er eine Marktlücke, begann 1931 mit der Serienfertigung von Speisezimmern un d beschäftigte bald 100 Mitarbeiter. Zwei Jahre später wurde mit 300 Beschäftigten in Schichten gearbeitet. 1937 ware n es mehr als 500 Mitarbeiter, die nun auch Schlafzimmer in Serie fertigen. 1940 vernichtete ein Großbrand die gesamt e Schlafzimmer- und Sperrholzproduktion. Im Zweiten Weltkrieg konnte die Fabrikation nur unter schwierigsten Umständen fortgesetzt werden konnten. Nach Kriegsen de wurde mit dem erneuten Aufbau begonnen, und 1947 stand die Hauptfabrikationsstätte wieder. Dafür gab es jetzt Rohsto ffknappheit. Otto Kreibaum machte jedoch aus der Not eine Tugend und entwickelte das Spanplattenstrangpressverfahren, m it dem er kontinuierlich Röhrenspanplatten für die Möbelproduktion herstellen konnte. Seine Firma wurde später OKAL (Ot to Kreibaum aus Lauenstein) genannt. Nach der Patentierung des Verfahrens gründete er eine eigene Maschinenbaugesellsch aft, um selbst Pressen herstellen zu können. Da dieses Material auch ausgezeichnet zum Bauen von Häusern geeignet war , wurde in dieser Richtung weitergedacht und investiert. 1953 entstand aus Röhrenspanplatten das erste OKAL-Haus in Lau enstein, bevor am 1. August 1959 mit der Serienproduktion von OKAL-Fertighäusern begonnen wurde. Damit war der Grundste in zu dem heutigen Unternehmen gelegt. |